2026. 03. 10.
Die Neugier führte ihn zur Physik, und heute hilft ihm genau diese Neugier dabei, hinter die neuesten technologischen Lösungen zu blicken – sei es bei digitalen Dienstleistungen oder sogar bei Drohnen. Ervin Onozó, Patentanwalt bei Audi Hungaria, begegnet tagtäglich innovativen Ideen und sorgt dafür, dass das technologische Wissen des Unternehmens angemessen geschützt wird. In seiner Position sind technisches Verständnis, juristische Präzision und strategisches Denken gleichzeitig notwendig – und genau diese Vielschichtigkeit macht seine Arbeit für ihn besonders spannend.
Ich arbeitete bei einem kleineren internationalen Unternehme und zuvor hatte ich auch Aufgaben in einer Patentanwaltskanzlei übernommen, aber ich arbeite lieber direkt mit den Erfindern zusammen und in Industrieunternehmen. Außerdem war ich neugierig darauf, wie die IP‑Prozesse eines großen Automobilkonzerns funktionieren. Daher war die Patentanwaltstelle bei Audi Hungaria für mich besonders attraktiv.
Mit physikalischem Hintergrund ist es tatsächlich nicht selbstverständlich, Patentanwalt zu werden. Allerdings ist bekannt, dass ein naturwissenschaftlicher oder technischer Abschluss eine Grundvoraussetzung ist. Nach meinem Studium an der Universität Szeged konnte ich im Bereich Beratung erste Einblicke in den gewerblichen Rechtsschutz gewinnen, was mir sehr gefiel. Von dort war der Schritt in den Patentanwaltsberuf ganz natürlich.
Ich bin Physiker geworden, weil ich verstehen wollte, wie die Dinge um mich herum funktionieren. In der Arbeit mit geistigem Eigentum muss ich viele verschiedene technologische Lösungen kennenlernen – das ist für mich außerordentlich interessant. Auch wenn die meisten nicht direkt mit Physik zu tun haben, sind sie doch eng mit dem verbunden, was mich ursprünglich zur Physik geführt hat: meiner Neugier. Und diese kann ich hier voll ausleben.
Darauf kann ich eindeutig mit Ja antworten, denn als Physiker verstehe ich technologische Lösungen sehr gut, was bei der Erfassung technischer Erfindungen ein großer Vorteil ist.
Was sind die wichtigsten Aufgaben und Verantwortlichkeiten in deinem Job?Der Kern meines Berufs ist es, den Patentschutz für neue Erfindungen sicherzustellen. Dies beginnt mit der Bearbeitung der von den Mitarbeitenden eingereichten Erfindungsmeldungen. Ich bin an der Entscheidungsfindung beteiligt, bei der wir auch eine Neuheitsrecherche erstellen. Ziel ist festzustellen, ob die Erfindung die Voraussetzungen der Patentierbarkeit erfüllt. Grundvoraussetzung ist, dass sie neu ist und auf einer erfinderischen Tätigkeit beruht. Anschließend erstellen wir die Patentanmeldung und reichen sie beim Patentamt ein, wo die Prüfer über das Schicksal der Erfindung bzw. über ihre Patentierbarkeit entscheiden.
Da Patentanmeldungen auf internationaler Ebene erfolgen, wird die notwendige behördliche Vertretung in den einzelnen Ländern durch lokale Patentanwälte übernommen, die in dem jeweiligen Land vertretungsberechtigt sind. In enger Zusammenarbeit mit ihnen führen wir das Verfahren durch. Als ungarischer Patentanwalt kann ich die Vertretung vor dem ungarischen Amt direkt übernehmen.
Meine tägliche Arbeit erledige ich hauptsächlich im Auftrag der AUDI AG im Rahmen der SCC‑Tätigkeiten. Die Arbeitsteilung unter den Patentanwälten erfolgt nach Technologiebereichen. Zu meinen Zuständigkeiten gehören cloudbasierte digitale Dienstleistungen, bestimmte autonome Fahrfunktionen, die Gesundheit von Fahrer und Insassen sowie Drohnentechnologie. Außerdem bearbeite ich jene „sonstigen“ geistigen Schöpfungen, die keiner technischen Kategorie zugeordnet werden können und häufig nicht als Erfindungen gelten.
Darüber hinaus treffen die Erfindungsmeldungen der Mitarbeitenden der Audi Hungaria zunächst bei mir ein. Wenn ich bei produktionsbezogenen Meldungen feststelle, dass sich der Weg zum Patent lohnt, begleite ich sie entsprechend dem oben beschriebenen Prozess. Erfindungen im Zusammenhang mit Entwicklung Antrieb- und Gesamtfahrzeug leite ich an die zuständigen Patentanwälte der Audi AG weiter.
Im Grunde ist sie die technische Lösung eines technischen Problems. Eine wissenschaftliche Entdeckung, ein Geschäftsmodell, eine mathematische Methode oder ein Computerprogramm kann keine Erfindung sein. Neben greifbaren Geräten und Bauteilen kann jedoch auch ein Herstellungs‑, Mess‑ oder Steuerungsverfahren eine Erfindung darstellen – selbst wenn es von einem Computerprogramm ausgeführt wird. Voraussetzung dafür ist aber, dass es einen technischen Effekt aufweist.
Aufgrund der teilweise sehr unterschiedlichen und sich von Jahr zu Jahr ändernden gewerblichen Rechtsschutzstrategien der verschiedenen Unternehmen im Konzern können erhebliche Unterschiede in der Anzahl der eingereichten Patentanmeldungen entstehen. Der Prozess an sich ist jedoch nahezu identisch; die Regelungen unseres Unternehmens orientieren sich ebenfalls an den Konzernvorgaben. Lediglich die rechtlichen Rahmenbedingungen in den beiden Ländern führen zu kleinen Unterschieden. Interessanterweise ist die Erfindervergütung in Ungarn seit etwa zwei Jahrzehnten gesetzlich geregelt – mit erst seit wenigen Jahren existierenden Leitlinien. In Deutschland hingegen existiert seit 65 Jahren ein Gesetz, das die Berechnung der Erfindervergütung festlegt.
Wie kannst du deinen technischen bzw. wissenschaftlichen Hintergrund mit juristischen, administrativen oder strategischen Aufgaben verbinden?Physiker lernen an der Universität, was Abstraktion bedeutet: wie man ein System oder einen Prozess auf verschiedene Weisen beschreiben kann – und dann die passende Beschreibung wählt, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. In meinem Fall ist der technische und wissenschaftliche Hintergrund in ein patentrechtliches System sowie die aktuelle Unternehmensstrategie eingebettet, ergänzt durch administrative Abläufe. Unter Berücksichtigung all dessen kann ich analytisches Denken mit systemischem Denken verbinden.
Mein Hobby sind Gesellschaftsspiele, bei denen man in neuen Regelwerken denken muss, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Genau so ist das Patentieren: Es ist spannend, eine technische Neuerung kennenzulernen und sie dann anhand juristischer Definitionen in der Welt der Paragraphen zu verorten. Es braucht viel Feinabstimmung und Kopfarbeit – und das genieße ich sehr.
Ich bin an die Geheimnishaltung gebunden, aber ich kann verraten, dass die Erfindungen eine sehr breite Palette abdecken, und manche davon haben mich sogar zum Schmunzeln gebracht. Es gibt Erfindungen im Bereich Geschäftsmodelle und Gesundheit, aber die fantasievollsten Lösungen begegne ich im Zusammenhang mit Drohnen – hier haben die Erfinder buchstäblich für alles eine Idee.
Schrittzuhalten ist im Grunde durch meine tägliche Arbeit gegeben. In meinem Bereich rechne ich mit spannenden Patentherausforderungen rund um digitale Lösungen und künstliche Intelligenz. Darüber hinaus erwarte ich besonders interessante Erfindungen im Bereich Elektromobilität, Festkörperbatterien und autonomes Fahren.
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