2026. 04. 20.
Máté Matuska ist ein Fahrzeugingenieur aus Győr, der innerhalb weniger Jahre eine beeindruckende und inspirierende Karriere hingelegt hat: Vom Formula Student Team der Széchenyi Imstván Universität führte ihn sein Weg ins Zentrum des Audi Formel 1 Projekts. Heute arbeitet er als Performance-Simulationsingenieur bei der Audi Formula Racing GmbH in Neuburg. Die Audi Tochter entwickelt und produziert die Audi F1 Power Unit. An den Rennwochenenden unterstützt er das Audi Revolut F1 Team durch die Optimierung des Hybridantriebs und des Energiemanagements.
In unserem Interview spricht er über seinen beruflichen Werdegang, seine Erfahrungen, die technische Welt hinter der Formel 1, sein Leben im Ausland sowie darüber, welche Voraussetzungen es braucht, um ein erfolgreicher F1-Spezialist zu werden.
Máté Matuska: Ich stamme aus dem Komitat Békés und habe Fahrzeugengineering an der Széchenyi István Universität studiert. Den Bachelor absolvierte ich auf Ungarisch, den Master auf Englisch. Ab dem zweiten Studienjahr bis zum Abschluss war ich durchgehend im Formula Student Team aktiv – insgesamt über fünf Saisons. Diese Zeit hat meine Interessen, meine Denkweise sowie meine Herangehensweise an Fahrzeuge, Entwicklung und Rennsport grundlegend geprägt.
Motorsport und insbesondere die Formel 1 haben mich schon vorher interessiert, doch Formula Student war der entscheidende „Katalysator“, der mir gezeigt hat, dass dies nicht nur ein Traum, sondern ein realistischer Karriereweg sein kann. Beim Arrabona Racing Team habe ich bereits das Fahrzeugmodell aufgebaut und mich mit Performance-Simulation beschäftigt. 2019 arbeitete ich zudem als Praktikant am Lehrstuhl für Gesamtfahrzeugentwicklung der Fakultät für Fahrzeugtechnik der Audi Hungaria. Während meines Masterstudiums wechselte ich in den Bereich Fahrzeugentwicklung von Audi Hungaria, wo ich im Ride-Height-Team an Mehrkörpersimulationen arbeitete.
2022 ergab sich in Österreich eine neue Möglichkeit: Bei einem kleineren Motorsport-Entwicklungsunternehmen in Wien entwickelten wir elektrisch angetriebene Rennfahrzeuge. Das Hauptprojekt war Pikes Peak, für das wir drei Fahrzeuge mit umfangreichen Aerodynamikpaketen und über 1.500 PS entwickelten. Zusätzlich hatte ich die Gelegenheit, an einem elektrischen NASCAR-Prototypen zu arbeiten. Während dieses beruflichen Abstechers in Österreich lag mein Schwerpunkt auf dem Energieverbrauch. Außerdem war ich für eine halbe Saison als Renningenieur in der Rallye-Europameisterschaft tätig.
Im Juli 2025 begann ich schließlich im Audi Formel 1 Projekt. Seither arbeite ich als Performance-Simulationsingenieur im Bereich Motorenentwicklung des Teams in Neuburg.
Audi Hungaria: Wie bewusst hast du deine Karriere geplant? Hättest du gedacht, dass du so jung den Sprung in die Formel 1 schaffst?Máté Matuska: Es war immer das Ziel. Bereits während meiner Formula-Student-Zeit habe ich gesehen, dass viele Ingenieure von dort in die Formel 1 wechseln – vor allem von britischen Universitäten, wo sie oft schon mit 21 oder 22 Jahren bei Teams arbeiten. Manchmal hatte ich das Gefühl, mit meinen 30 Jahren etwas „spät“ zu sein, aber letztlich hat sich alles in genau dem richtigen Tempo entwickelt.
Ich habe meine Karriere sehr bewusst aufgebaut. Zunächst sammelte ich in Ungarn Erfahrung in der automobilen Fahrzeugentwicklung, danach bekam ich in Österreich Einblicke in die Motorsportentwicklung und in den Rallyesport. Erst danach habe ich mich gezielt auf Positionen in der Formel 1 beworben. Vorerfahrung im Motorsport ist sehr wertvoll, und ich freue mich besonders, in einem Bereich arbeiten zu dürfen, der mir wirklich Spaß macht und durch die Rennunterstützung sehr nah am realen Geschehen ist.
Máté Matuska: Die Hauptaufgabe des Performance-Simulationsteams besteht darin, das Fahrzeug mithilfe von Simulationen zu analysieren. Wir untersuchen unter anderem, wie sich das Auto auf einer bestimmten Strecke verhält, welche Rundenzeiten mit unterschiedlichen Energieeinsatzprofilen möglich sind, wie der Hybridantrieb optimiert werden kann und welche Parameter unter gegebenen Bedingungen besonders kritisch sind.
Mit näher rückenden Rennwochenenden stoßen auch Ingenieure der Audi Formula Racing GmbH zum Rennteam, die sich mit dem Antriebsstrang befassen. Ich arbeite als Base Engineer im Mission Control, das heißt, ich verfolge das Geschehen aus der Ferne, arbeite in derselben Zeitzone wie das Trackside-Team, gehöre jedoch nicht zur reisenden Mannschaft. Als Simulationsingenieur führe ich außerdem Korrelationsanalysen durch, mit denen wir beurteilen, wie nah unsere Simulationen an der Realität liegen. Wir unterstützen das Rennteam direkt, hören den Funkverkehr und die Fahrerkommentare mit und geben unser Feedback in den Briefings weiter.
Unsere wichtigste Rolle haben wir am Freitag: Nach den ersten beiden freien Trainings kommen enorme Datenmengen zusammen, und es bleibt nur ein sehr begrenztes Zeitfenster, um das Setup für das Qualifying am nächsten Tag zu optimieren.
Audi Hungaria: Wie ist das Team, in dem du arbeitest? Wie international ist es, und wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Standorten?Máté Matuska: Unser Team ist äußerst vielfältig. Es gibt Ingenieure aus früheren Audi Motorsportprojekten wie Formula E, Le Mans, Dakar und DTM, aber auch eine jüngere Generation, die – ähnlich wie ich – erst kürzlich dazugestoßen ist.
Die Entwicklung des Antriebsstrangs findet in Neuburg in Deutschland statt, Karosserie und Montage hingegen in Hinwil in der Schweiz. Auch fachlich ist das Spektrum sehr breit: Im über 400-köpfigen Team in Neuburg sind Spezialisten für Verbrennungsmotoren, Batterieexperten sowie Simulationsexperten vertreten. Ziel ist es jedoch, als eine einzige Einheit zu agieren.
Máté Matuska: Es gibt Parallelen, aber es ist nicht ganz dasselbe. In vielerlei Hinsicht ähnelt die Arbeitsweise eines F1-Teams der großer Automobilkonzerne, erfordert jedoch ein höheres Maß an Flexibilität. Selbstverständlich arbeiten wir unter Einhaltung der deutschen arbeitsrechtlichen Vorgaben, es gibt also keinen Dauerbetrieb rund um die Uhr – dennoch ist Flexibilität unerlässlich. Vor Asien-Rennen beginne ich beispielsweise schon Tage im Voraus, mich auf die jeweilige Zeitzone einzustellen, damit wir im Mission Control im gleichen Rhythmus arbeiten können wie das Team an der Strecke.
Aus meiner Zeit bei Pikes Peak weiß ich, dass mir US-Zeitzonen meist leichter fallen, da ich eher ein Nachtschwärmer bin. Zu Beginn der Saison habe ich manchmal das Gefühl, dass sich alles nur um die Formel 1 dreht. Umso wichtiger ist es, bewusst abzuschalten – sonst wird die mentale Belastung auf Dauer zu groß. Das habe ich schon in der Formula Student erlebt: Der permanente Flow-Zustand kann trügerisch sein, deshalb ist es wichtig, die Arbeit auch einmal ruhen zu lassen.
Máté Matuska: Ich fechte mit dem Degen und fahre Motorrad. Beides beansprucht meine volle Aufmerksamkeit und hilft mir gut abzuschalten. Außerdem besitze ich ein Oldtimerfahrzeug, das ich noch aus Ungarn mitgebracht habe und das ich als Hobby restauriere.
Audi Hungaria: Wie hast du dein erstes Rennwochenende erlebt, bei dem das Auto direkt Punkte geholt hat?Máté Matuska: Es war auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie mehrere Jahre Entwicklungsarbeit auf der Strecke zum Leben erwachen. Ergebnisbezogen ist das Bild jedoch gemischt. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass Gabi (Anm.: Gabriel Bortoleto) Punkte geholt hat und auch sein Tempo überzeugend war – damit haben wir die externen Erwartungen vielleicht sogar übertroffen. Sehr enttäuschend war hingegen, dass Nico (Anm.: Nico Hülkenberg) beim ersten Rennen nicht starten konnte.
Máté Matuska: Das ist eine sehr komplexe Frage. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht, um aufgenommen zu werden oder sich dauerhaft zu behaupten. Entscheidend ist auch, wie gut sich jemand ins Team integriert und wie flexibel er oder sie ist.
Wenn ich speziell an den Bereich Performance-Simulation denke, wurden mir im Bewerbungsgespräch sehr viele theoretische Fragen gestellt – zu Fahrzeugdynamik, zum Antriebsstrang und sogar zu theoretischer Physik. Das sind Fragen, die man sonst eher aus dem universitären Umfeld kennt.
Fremdsprachenkenntnisse sind Pflicht – ohne Englisch kommt man nicht weiter. Das kann je nach Team und Standort etwas variieren. Es lohnt sich außerdem, frühzeitig Praktikumsstellen anzustreben; so ist es leichter, später eine Festanstellung zu bekommen. Relevante Motorsport-Erfahrung ist ein klarer Vorteil, auch in weniger prominenten Serien.
Máté Matuska: Ich bin sehr glücklich in meiner aktuellen Rolle, aber das heißt nicht, dass ich zufrieden bin. Ich befinde mich in der glücklichen Lage, dass sich die Ziele des Audi-Projekts und meine persönlichen Ambitionen decken. Ich möchte sehr erfolgreich sein und mit Audi Rennen gewinnen. Ich wünsche mir, dass meine Arbeit dazu beiträgt, das Auto so schnell wie möglich zu machen.
Addresse
9027 Győr, Audi Hungária út 1.
Telefon
+ 36 96 66 8888
E-mail
Unsere aktuellen News können Sie auf der News-Seite nachlesen.
Bei weiteren Fragen steht Ihnen unsere Presseabteilung gerne zur Verfügung.