Vier Ringe, eine Geschichte - Balázs Svastics

2026. 08. 26.

Veränderung ist kein Ereignis, sondern eine Arbeitsweise. Vertrauen, Mut, Offenheit und Stabilität. Das sind die Schlüsselbegriffe der Laufbahn von Balázs Svastics, die im Bereich der Exklusivserien-Projekte des Werkzeugbaus in beispiellosem Tempo verläuft.

Wie und wann begann deine Laufbahn bei Audi?

Meine Audi-Zeit begann 2013 mit einer Praktikantenstelle, während ich an der Széchenyi-István-Universität Maschinenbau studierte. Ich stamme aus Pápa, wo ich früher an der Seite meines Vaters vieles lernen konnte und in seinem Fahrzeugaufbau-Unternehmen mithalf. Nach Győr kam ich, um weiterzustudieren. An der Universität hörte ich dann immer mehr über das Unternehmen mit den vier Ringen, das zudem Möglichkeiten passend zu meiner Fachrichtung bietet. So wurde es mit der Zeit selbstverständlich, dass ich mich hier als Praktikant bewarb. Meine Chance bekam ich im Bereich der Qualitätssicherung des Werkzeugbaus.
 

Wann hattest du das Gefühl, am richtigen Ort zu sein? Wurde dir signalisiert, dass man auch als Mitarbeiter auf dich zählen würde?

Obwohl ich mich anfangs im großen Audi sehr klein fühlte, wurde mir innerhalb weniger Wochen klar, dass dies ein besonderer Ort ist, der außerordentlich viele Möglichkeiten für mich bereithalten kann. Danach schreckten mich die Größe und die Vielfalt überhaupt nicht mehr ab – im Gegenteil, sie zogen mich immer mehr an. So nahm ich es mit Freude auf, als man mir nach einem halben Jahr mitteilte, dass man nach Abschluss des Praktikums und dem Erwerb des Diploms auf mich zählen würde. So konnte ich ab 2014 als Vollzeitmitarbeiter tätig sein. 

 

Bist du als Mitarbeiter in der Qualitätssicherung geblieben?

Der Ort blieb, die Aufgabe änderte sich. Als Praktikant befasste ich mich mit den Kaufteilen, als Mitarbeiter gehörte jedoch bereits die Bearbeitung von Kundenreklamationen zu meinem Aufgabenbereich, und zwar in Bezug auf den Lamborghini Aventador und den Porsche Panamera. Für Ersteren lieferten wir Kotflügel-, Motorhauben- und Türteile, für Letzteren fertigten wir die hintere Tür. Etwaige Qualitätsbeanstandungen wurden aus dem Lamborghini-Werk bzw. vom Volkswagen-Standort Hannover gemeldet.

 

Hattest du gehofft, dass man dir sofort solche „prestigeträchtigen" Aufgaben anvertraut?

Nicht einmal im Traum hätte ich gedacht, dass ich mich gleich nach meinem offiziellen Arbeitsbeginn mit solchen Modellen beschäftigen würde. Schon allein deshalb nicht, weil ich zwar sehr gut Englisch sprach, meine Deutschkenntnisse jedoch zu wünschen übrig ließen. Die Abwicklung der Porsche-Angelegenheiten zwang mich jedoch dazu, auch das Deutsche gründlicher, bis auf Verhandlungsniveau, zu erlernen.

 

Kurz darauf eröffnete sich dir eine noch bessere Möglichkeit …

Man bat mich, in Neckarsulm eine Stelle als Resident der Qualitätssicherung zu übernehmen; meinen Entsendungsvertrag unterschrieb ich im Dezember 2015. Ich unterstützte den Anlauf des Lamborghini Huracán Spyder und des Audi R8 Spyder, die mit Karosserieteilen von Audi Hungaria gefertigt wurden, bis Februar 2017. Diese Zeit war neben der Vertiefung meiner Deutschkenntnisse und dem Sammeln von Berufserfahrung auch für anderes gut. Einerseits prägte die kulturelle Vielfalt meine Denkweise, andererseits bestärkte sie mich darin, dass man mir vertraut und dass mein Karriereweg in die richtige Richtung geht.

 

Worin hattest du dich verändert, als du zurückkamst? 

Ich war viel mutiger. Dort ging ich in Vertretung von Audi Hungaria allein zu den Abstimmungen, und in vielen Fällen musste ich mich vor dem oberen Management bewähren. Die Position erlaubte es nicht, unsicher zu werden, deshalb musste ich mit präzisen Informationen gewappnet und gut vorbereitet zu den Besprechungen kommen. Dort begann ich wirklich zu spüren, was Stabilität bedeutet: dass du dir deiner selbst sicher bist und deinen Kollegen vertraust, die dich aus fast 800 km Entfernung unterstützen.

 

Hast du versucht, etwas aus den Erfahrungen der Entsendung nach Deutschland in die Győrer Praxis zu übertragen?

Ich bemühte mich, unsere Verhandlungskultur zu verbessern. Ich versuchte, meine Kollegen davon zu überzeugen, dass Konsequenz und Präzision die Grundlage der standortübergreifenden Kommunikation sind. Darüber hinaus setzte ich mich für die Effizienzsteigerung unserer Besprechungen und Shopfloors ein, worin die deutschen Standorte meiner Meinung nach führend sind.

 

Bist du in denselben Bereich zurückgekehrt?

Ich blieb zwar im Werkzeugbau, hatte aber die Möglichkeit, mich zwischen zwei angebotenen Bereichen für meine berufliche Weiterentwicklung zu entscheiden. Im Rahmen der Vorrichtungs- und Anlagenfertigung entschied ich mich zwischen der Vorserientätigkeit der Bauteilmontage und der fachlichen Projektleitung der Presswerkzeuge für Letztere. Ich dachte, dass ich meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich besser einbringen könnte. Das bestätigte sich dann auch in der Praxis. Da mir ab der Konstruktionsphase die fachliche Leitung der Presswerkzeug-Projekte des Q3 Sportback und des Audi e-tron GT sowie der Modelle RS6 und RS7 oblag, konnten wir auf Grundlage der von mir zuvor gewonnenen Erfahrungen die Qualität der Bauteile bereits im Vorfeld verbessern.

 

Wie lange hast du bisher in dieser Position gearbeitet?

Drei Jahre. 2020 wandte sich nämlich der damalige Leiter des Werkzeugbaus an mich mit der Bitte, die Projektleitung der kompletten Karosserieteile zu übernehmen. Obwohl ich um eine Woche Bedenkzeit bat, meldete ich ihm bereits nach ein paar Tagen mit Freude: Ich übernehme es! Das war ein riesiger Sprung in meinem Leben, denn die Position erforderte eine noch größere Verantwortung – eine standortübergreifende Projektleitung mit einem um Ingenieure erweiterten Team. Unvergesslich ist für mich, dass ich mich als jüngstes Mitglied des Teams als Führungskraft verhalten, motivieren und mit jedem eine gemeinsame Sprache finden musste. Hier spürte ich wirklich, dass ich nicht nur für das Projekt, sondern auch für die Mitarbeiter Verantwortung trage. Neben dem Dreiklang aus Zeit, Kosten und Qualität war es mir auch wichtig, dass sich meine Kollegen am Arbeitsplatz wohlfühlen und gerne arbeiten. Offenheit und Vertrauen sind hierbei der Schlüssel.

 

Was bedeutet das für dich im Alltag?

Ich baue eine Vertrauenskultur auf, indem ich den Mitarbeitern Raum gebe, sodass sie sich menschlich und fachlich weiterentwickeln können. Ich bin ihnen gegenüber offen, vertraue ihnen und höre mir ihre fachlichen Vorschläge an – so erreiche ich, dass ich mich jederzeit auf sie verlassen kann. Dadurch habe ich die Möglichkeit, mich mit mehreren parallel laufenden Projekten zu befassen. Das brauche ich auch, denn derzeit betreue ich sechs Fahrzeugprojekte. Darunter auch eines, das völliger Geheimhaltung unterliegt. Ein solches war zum Beispiel der kürzlich vorgestellte Audi Nuvolari. Wie streng geheim wir manchmal arbeiten müssen, dafür ist dieses Modell das beste Beispiel: Erst am Tag nach der Weltpremiere durfte ich dem Projektteam sagen, woran wir arbeiten. 

 

Worauf bist du in deiner Laufbahn besonders stolz?

Ich bin auf alle Projekte stolz, aber als Erstes würde ich die jüngsten, soeben vorgestellten Audi-RS5-Modelle nennen. Ich erinnere mich daran als das am besten durchgeführte Fahrzeugprojekt der vergangenen Jahre. Das andere, das mir einfällt, ist der Temerario, der uns vor eine nicht alltägliche Herausforderung stellte. Durch eine beispielhafte Zusammenarbeit – unter Einbeziehung von Lamborghini und des Werks Neckarsulm sowie durch die gemeinsame Arbeit von Entwicklern und Konstrukteuren – gelang es uns, die Bauteile auf die erträumte Weise fertigungsfähig herzustellen. Ich bin stolz auf die Erfolge unseres Werkzeugbaus! Deshalb bereitet es mir auch besonders große Freude, wenn ich bei den 60-minütigen Führungen unseren Gästen und Interessierten zeigen kann, womit wir uns im Werkzeugbau beschäftigen. Zu meiner Arbeit gehört auch, dass ich mich als Projektleiter mit der Verbesserung der Energieeffizienz des kompletten Fahrzeugwerks befasse. Mission: Zero ist für mich deshalb besonders bedeutsam, weil ich neben der Wichtigkeit des Umweltschutzes die Projektleitung auch aus einer anderen Perspektive erleben kann.

 

Was ist dein Geheimnis? Wie konntest du dich so durchsetzen?

Die Qualitätssicherung gab mir die Motivation, mich nicht nur mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren, sondern die Qualität zu beeinflussen und zu gestalten! Jene Qualität, von der wir überzeugt sind, dass wir sie selbst erzeugen! In diesem Geiste arbeite ich – mit einem hohen Maß an Selbstständigkeit und Initiative und den Mitarbeitern gegenüber mit einer auf Vertrauen basierenden Offenheit.

 

Was würdest du den Mitarbeitern mit auf den Weg geben? Wie wird man ein guter Fachmann, ein Vorbild?  

Begegne deiner Arbeit und deinem Projektteam mit Demut! Wichtig ist auch, dass du keine Angst hast, um Hilfe zu bitten, wenn du das Bedürfnis danach verspürst. Als Projektleiter bereite dich darauf vor, dass die einzige Konstante der ständige Wandel ist. Wenn du damit nicht flexibel umgehen kannst, dann kommst nicht nur du, sondern auch dein Projekt ins Stocken.

 

 

 

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